Digitale Transformation, digitale Disruption … und … Amazon

4.8
(102)
Digital Transformation
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Viele redeten in den vergangenen Jahren über digitale Tranformation, digitale Disruption u.a.

  • Schule 4.0
  • Arbeit 4.0
  • Lebenslanges Lernen

Diese Begriffe in den vergangenen Jahren waren unter anderem DIE Schlagworte. Sehr modern.

Der ehemalige Chef der Bundesagentur für Arbeit Frank-Jürgen Weise hat bereits im Jahr 2006 (also vor 14 Jahren!) Lebenslanges Lernen auf den Schirm gebracht (siehe unter https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/mein-weg-ich-ueber-mich-frank-juergen-weise-1353894.html)


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Doch was ist daraus geworden?

Corona zeigt uns was daraus geworden ist. Eigentlich nichts. Schlicht weg einfach und ergreifend nichts. (meine Meinung!). So traurig das auch sein mag.

Es gab Projekte, die viel Geld verschlungen haben – sowohl im privatwirtschaftlichen und im öffentlichen Sektor.

Doch warum stehen wir jetzt in der Corona-Situation so da, wie wir dastehen? Lokalen Händlern steht das „Aus“ bevor. Schulen können NICHT in virtuellen Klassenräumen beschulen. Homeofficearbeitsplätze gibt es nicht ausreichend und die Menschen, die im Homeoffice arbeiten sollen, haben keine Erfahrung damit. Lebenslanges Lernen, nur ein Schlagwort.

Wir gehen sogar soweit und beschuldigen diejenigen, die die Digitalisierung in den vergangenen Jahren für sich genutzt haben, wie z.B. Amazon. Amazon wurde in der vergangenen Woche vorgeworfen, dass diese Unternehmung die lokalen Einzelhändler in Deutschland „kaputt macht“.

Wie kann Amazon etwas „kaputt machen“, das gar nicht existiert? – das frage ich mich. Die lokalen Händler haben zum größten Teil überhaupt keinen Online-Shop. Wie kann Amazon also die lokalen Händler “kaputt machen”? Die existieren ja gar nicht in der Welt der Digitalisierung! Und zu behaupten, dass Amazon GENAU JETZT die lokalen Händler angreift, halte ich für pure Ironie! Wir wissen alle, dass viele lokale Händler in den vergangenen Wochen schließen mussten. Wenn diese geschlossen haben, dann haben sie nunmal keinen Umsatz. Amazon dagegen schon und jetzt noch viel mehr, weil die lokalen Händler geschlossen haben!!!???

Aber deshalb macht Amazon die lokalen Händler nicht kaputt! Das ist schlichtweg einfach und ergreifend eine Falschaussage. DASS Amazon jetzt MEHRUMSATZ macht liegt in der Natur der Situation!

Blicken wir mal in die Vergangenheit

Amazon wurde im Jahr 1994 in Washington gegründet (vor 26 Jahren!).

Ich meine, dass man Amazon in Deutschland um das Jahr 1996 oder etwas früher in Deutschland erst richtig wahrgenommen hat. Seit 1996 bin ich Kundin bei Amazon. Was mir gut gefiel war, dass die Lieferung blitzschnell und unkompliziert war. Und außerdem hat man als Kunde in den ersten Jahren zu Weihnachten von Amazon ein Weihnachtsgeschenk bekommen. Das fand ich einfach klasse. Die Wertigkeit des Weihnachtsgeschenkes hat von Jahr zu Jahr abgenommen (das erste war eine Computermaus!) – aber das war genial. Ich glaube in Erinnerung zu haben, dass ich an Weihnachten 1996, 1997 und 1998 ein Weihnachtsgeschenk von Amazon bekommen habe. Danach nicht mehr. Aber bis dahin war ich überzeugte Amazon-Kundin und das Gesamtangebot von Amazon wuchs ständig – und das bis Heute!

Ich kann mich noch gut erinnern, dass Amazon in den ersten Jahren in zweistelliger Millionehöhe Verluste eingefahren hat. Amazon wurde der Niedergang vorausgesagt. Erst im Jahr 2002 machte Amazon Gewinne (nachzulesen unter https://www.was-war-wann.de/geschichte/amazon.html).

Ich persönlich hätte es damals mehr als bedauert, wenn mein bester Buchlieferant pleite gegangen wäre. Es war einfach zu schön und praktisch, dass ich ein Buch bestellt habe und es am anderen Tag geliefert bekommen habe. Heute liefert Amazon einfach alles. Mehr als nur Bücher. Und sind wir doch mal ehrlich: auch in dieser jetzigen Corona-Zeit ist Amazon ein zuverlässiger Lieferant. Das ist eine echte Leistung und das obwohl die Lieferketten unterbrochen wurden.

Hartnäckigkeit zahlt sich aus

Allen Voraussagen um die Jahrtausendwende zum Trotz. Amazon gibt es heute noch. Und seit einigen Jahren hat Amazon sogar Lager in Deutschland.

Einerseits war man froh, dass Amazon in Deutschland Arbeitsplätze geschaffen hat. Doch es dauerte nicht lange, bis Stimmen laut wurden, dass Amazon ein Ausbeuter sei (https://www.sueddeutsche.de/karriere/amazon-labor-der-ausbeutung-1.2610362).

Sind wir doch mal ehrlich: jede erfolgreiche Unternehmung hat mal Schlagzeilen dieser Art.

Aus erster Quelle weiß ich, dass es doch anders sein könnte als diese Schlagzeilen berichteten. Ich selbst war in einem meiner früheren Leben Vermittlerin eines Jobcenters. Um die Weihnachtszeit herum suchte Amazon wie jedes Jahr Personal in rauhen Mengen. Meine Kunden schätzte ich alle sehr. Doch bei manchen mangelte es mit der Arbeitsmoral. Ich kann mich gut erinnern. Um Weihnachten 2015 herum hatte ich einen von vielen arbeitsuchenden Kunden, der bei Amazon anfing. In einem Gespräch mit mir äußerte er seine Angst, dass er nach Weihnachten entlassen werden würde. Ich haben diesen Menschen als sehr eifrig und motiviert empfunden und meinte zu ihm, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass jemand wie er, entlassen werden würde. In dem Moment, als ich das sagte, dachte ich: Karin, was sagst du da. Aber ich meinte es genau so. Er war ein loyaler Mensch mit hoher Motivation. Und es kam so: er wurde nach der Weihnachtszeit übernommen und machte später bei Amazon Karriere. Als ich diese Äußerung gemacht hatte, dachte ich, dass es niemals sein kann, dass ein erfolgsorientiertes Unternehmen einen guten Mitarbeiter gehen lässt. So war glücklicherweise es dann auch.

Ich hatte noch einen anderen Hintergrund für meine Aussage. Etwa zwei Jahre zuvor war ich als Mathelehrerin für Jugendliche tätig, die ihren Hautschulabschluss nachholten. In meiner Hauptschulabschlussgruppe waren einige Jugendliche, die in ihren Aussagen Amazon regelrecht verteufelt haben. Die meinten, dass Amazon ein Ausbeuter sei. Aber in Wirklichkeit haben diese Jugendlichen noch nie die Arbeitswelt kennengelernt. Sie machten es sich zur Angewohnheit, zur Schule zu erscheinen, wann sie wollten. Die Konsequenzen waren sehr moderat. Diese Jugendlichen hatten unter anderem ein Problem mit der Disziplin. Dennoch waren sie nicht recht gut. Fast 100% haben den Hauptschulabschluss bestanden. Aber dafür musste sowohl fachlich (vom kleinen Einmaleins angefangen) und erst Recht im persönlichen Bereich sehr viel aufgearbeitet werden. Aber es wundert mich nicht, wenn Menschen mit einer Arbeitsmoral, wie meine damaligen Jugendlichen nicht dauerhaft bei Amazon übernommen wurden. Die Jugendlichen hatten andere Qualitäten, die in unserer Gesellschaft nicht honoriert werden, z.B. einen sehr guten Überlebensinstinkt. In der Regel gab es spätestens jede zweite Woche einen Krankenschein oder täglich neue (sehr erfindungsreiche) Ausreden, warum man zu spät kommt.

Doch nun zurück zu Beschimpfungen in der Krise.

Es ist immer einfach, wenn etwas „kaputt geht“ einen Schuldigen dafür zu suchen.

In diesem Falle ist es Amazon.

Ändern wir mal den Blickwinkel

Ändern wir mal den Blickwinkel und nehmen Amazon als Vorbild und nicht als Schuldigen, der alles „kaputt macht“.

Was hat Amazon getan?

Von Anfang an ist Amazon stringent, zielgerichtet und konsequent den digitalen Weg gegangen und heute steht Amazon auf einem guten Platz. Es wurde sogar angekündigt, dass Amazon in Amerika 100000 Menschen zusätzlich einstellen möchte, um den aktuellen Arbeitsanfall zu bewältigen. Das ist klasse.

Nun schauen wir uns die lokalen Einzelhändler in Deutschland an

Die lokalen Einzelhändler (die nicht systemrelevanten) in Deutschland bauen heute immer noch auf die persönliche Beratung im lokalen Geschäft. Zu Recht. Es lief ja auch gut in den vergangenen Jahren. Und wir haben und hatten alle keine Glaskugel. Corona konnte niemand voraussehen. Aber jetzt ist Corona da. Und viele stehen vor dem Aus.

Jetzt bringen wir den Konjunktiv ins Spiel

Hätte, Könnte, wollte, wäre …

Hätten wir doch …

Ja hätten wir doch. Hätten wir doch die Digitalisierung und alle damit verbundenen Bereich ernst genommen, dann stünden wir jetzt anders da.

Wäre es wirklich so?

Wahrscheinlich ja. Aber Digitalisierung bedeutet nicht nur, die Digitalisierung einfach nur haben zu wollen. Sie bedeuted auch dass wir umdenken müssen. Dieser Umdenkprozess hat bisher in Deutschland noch nicht stattgefunden.

Dabei wäre es doch so einfach

Der große Hai ist im Moment Amazon.

Die lokalen deutschen Einzelhändler könnten die Piranas sein, die Amazon angreifen. Mut gehört dazu!

Und genau jetzt schauen wir auf den Vollkommenen Markt laut Volkswirtschaftlehre

Der vollkommene Markt ist durch folgende Voraussetzungen definiert:

  • Homogenität Güter (Gleichartigkeit) –> existiert nicht
  • Keine Präferenzen der Marktteilnehmer –> existiert nicht
  • Viele Anbieter und Nachfrager –> existiert in der Regel
  • Volle Markttransparenz (Jeder weiß alles sofort!) –> existiert im Internet nahezu
  • Unendlich schnelle Reaktion der Marktteilnehmer –> existiert im Internet nahezu
  • Homo Oeconomicus (Marktteilnehmer handeln rational) –> existiert nicht

Der einzige Markt, der ansatzweise vor Jahren mal als NAHEZU vollkommen angesehen wurde, war die Börse. Aber auch die bietet auch nur ansatzweise schon seit Jahren KEINEN vollkommenen Markt mehr.

Was hat Amazon – was haben die lokalen Händler?

Einen Markt ohne Präferenzen gibt es nicht. Und wenn es etwas gibt, das die lokalen Händler von Amazon unterscheidet, dann sind es die persönlichen Präferenzen. Die lokalen Einzelhändler in Deutschland haben wegen dieser lokalen Präferenzen in den vergangenen Jahren überlebt. Dazu gehört die persönliche Bindung. Ein Gespräch mit dem Verkäufer oder dass der Ort einfach sehr komfortabel und schön ist und vieles mehr. Und genau über diese Präferenzen verfügt Amazon nicht. Kein Amazon-Kunde könnte aktuell in ein lokales Amazon-Geschäft gehen und die Ware abholen und zudem noch mit der Verkäuferin oder dem Verkäufer ein Gespräch führen und aufgrund dieses Gesprächs vielleicht noch die Kaufentscheidung ändern. In diesen persönlichen Präferenzen steckt eine unglaubliche Kraft, die aktuell noch unterschätzt und auch überhaupt nicht gesehen wird.

Was wäre wenn – der Konjunktiv spielt weiterhin eine Rolle

Was wäre, wenn die lokalen Einzelhändler anfangen würden eine Internetpräsenz nicht als statische Einheit anzusehen. Was wäre wenn, die Einzelhändler erkennen würden, dass wenn die Internetseite fertig ist, die Arbeit erst richtig beginnt? Ja, was wäre wenn?

Was hat Amazon damals getan? Leider kann ich jetzt keine Quelle angeben. Aber ich erinnere mich irgendwann mal gelesen zu haben, dass Amazon anfangs ganze Abteilungen damit beschäftigt hat Produktrezensionen schreiben zu lassen. Ja, ich frage nochmal. Was wäre wenn.

Und nochmal die Frage, was wäre wenn

Nochmal die Frage, was wäre wenn, die Unternehmungen die Empfehlungen der Berater, für die sie in den vergangenen Jahren teures Geld ausgegeben haben, Ernst genommen hätten. Dann hätten wir den Umdenkprozess schon hinter uns. Aber jetzt beginnt der VIELLEICHT erst.

Was wäre wenn wir eine andere Denk-Kultur hätten. Was wäre, wenn wir die Ergebnisse der vielen engagierten und hochmotivierten Unternehmensberater nicht nur als Sündenbock sondern als ernstzunehmende Informationsquelle genutzt hätten?

Was wäre wenn. Punkt. Jetzt ist Schluss mit diesen Fragen. Geben Sie sich bitte selbst eine Antwort darauf.

Wir sind alle aufgefordert bestimmte Dinge neu zu denken. Fangen wir doch einfach mal damit an. Warum sollten wir einen HAI wie Amazon nicht gemeinsam angreifen können? Warum sollten wir nicht die vielen kleinen Piranas sein, die einen HAI zu Fall bringen können? Nur weil wir noch nicht umgedacht haben? Na, dann fangen beginnen wir doch einfach mal HEUTE mit dem Umdenken!

Eines steht fest. So lange wir nicht umgedacht und umgelernt haben, können wir Amazon einfach nur dankbar sein, dass es dieses Unternehmen gibt. Amazon ist ein zuverlässiger Lieferant von mittlerweile lebensnotwendigen Waren für den Alltag, z.B. Gesichtsmasken. Ich selbst habe mich jetzt bis zum Schluss geweigert diese Masken zu kaufen. Hatte ich doch Glück und konnte bei Amazon für 20 Euro 10 Masken erwerben. Freunde berichteten mir, dass sie bei lokalen Einzelhändlern bis zu 10 Euro bezahlt haben. Und das für ein Produkt, welches zu normalen Zeiten weniger als einen Euro kosten würde. Soviel zum Thema. Ich lade alle ein zu einer regen Diskussion. Alles was ich hier geschrieben habe ist meine eigene Meinung. Ich freue mich auf einen regen Austausch.

FAZIT: Spätestens jetzt kommt die transruption ins Spiel

Schauen wir genau JETZT  auf die von Sanjay Sauldie erarbeitete transruption und auf den Konjunktiv: Hätte, könnte, wollte, würde. Digitalisierung umfasst nicht nur eine einzige Disziplin. In der transruption wurden aktuell 24 STRATEGISCHE Teildisziplinen ausgearbeitet. Entfernen wir den Konjunktiv und ersetzen wir diesen mit wir tun, wir werden, wir wollen, wir müssen … Packen wir es an!

Vielleicht hatte Amazon bereits zur Firmengründung eine Glaskugel. Wer weiß!?

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